The first limb of Yoga

20190324_162541-COLLAGE.jpg

Die Basis der indischen Philosophie findet man in den Veden. In dieser Zeitspanne wurden auch die zwei Epen verfasst, die u.a. die Bhagavat Gita, die euch vielleicht ein Begriff ist, beinhaltet. Die nächste Ära ist die indische Klassik, in der Patanjali die wissenschaftliche Erklärung des Yoga in 176 Aphorismen niederschrieb. Wie ich bereits an anderer Stelle erwähnte, hat er im achtgliedrigen Pfad erläutert, wie man Schritt für Schritt Samadhi, die Befreiung, erlangen kann. Ich wollte hier nochmal auf drei der 5 Unterpunkte der „Jamas“ eingehen. Sie beinhalten Empfehlungen für das soziale Verhalten. Manche dieser Punkte sind einfach essenziell auf dem Weg zu einer glücklichen Existenz und betreffen mich auch persönlich. Wir sitzen alle in einem Boot und unsere Probleme können nicht so unterschiedlich sein. Daher zerpflücke ich vor euren Augen meine Schwierigkeiten und suche Lösungen, weil ich denke, dass derjenige, der dasselbe empfindet wie ich, Lösungsvorschläge für sein eigenes Leben ableiten kann. So zumindest erhoffe ich es mir.
Ich hatte im letzten Beitrag über Emotionen gesprochen, die einen glücklich machen, beziehungsweise die positive Ausrichtung des Geistes. Ich finde diese Unterpunkte der „Jamas“ sind eine schöne Ergänzung dazu.
1.“Ahimsa“ = non-violence
Sich nicht selbst zu lieben ist Gewalt. Der Umkehrschluss ist das Nicht verletzten zu Selbstliebe führt. Weiterhin ist der Tag, an dem man Selbstliebe kultiviert auch die Grundvoraussetzung Liebe in anderen zu sehen bzw. zu geben und diesen nicht zu schaden. „Ahimsa“ wird als der Samen der Liebe bezeichnet und ist dazu in der Lage Schmerz und Leid entgegenzutreten. Wird „Ahimsa“ nicht praktiziert entsteht Hass, Eifersucht, Stolz, Egoismus und Ego.
Ich hatte bei „Ahimsa“ zunächst nur an andere gedacht und ganz außer Acht gelassen, dass Gewalt auf emotionaler und gedanklicher Ebene und vor allem gegen sich selbst sicherlich viel öfter stattfindet. Dieses Thema bleibt für mich immer aktuell. Der karmische Berg, den ich hier abtragen muss ist mein persönlicher Mount Everest, oder Kailash, bin ja schließlich in Indien. Ein Gebirgsmassiv an Learnings wartet hier noch auf mich.
Ich hatte ja gerade neulich berichtet, wie ich wieder hart mit mir selber ins Gericht gegangen bin, weil ich vermeintlich nicht schnell genug lernen würde. Seinen Geist neu auszurichten ist schweißtreibende Gedankenarbeit, das sage ich euch. Oft schaffe ich es nicht in der Situation direkt zu schalten, aber die Einsicht, dass ich falsch liege, kommt nun immer zügiger und ich kann mich wieder auf den rechten Pfad zurückbringen.
Yoga ist ein Weg und ich stehe am Anfang. Es fällt mir so schwer aus diesem ich sollte- und müsste-Denken herauszukommen und auch einfach mal nur zu sein und mich auch einfach unvoreingenommen lernen zu lassen. Amanda lacht, wenn sie aus den Posen fällt – für mich undenkbar. Mein Ego will sich vergleichen, verurteilen und verdammt nochmal schnellstmöglich großartige Resultate sehen. Frust statt Entdeckergeist. Verbissenheit und Ärger statt Enthusiasmus angesichts einer Herausforderung. In der letzten Ashtangaklasse konnte ich eine Menge Posen nach wie vor einfach nicht machen, aber ich stellte auch fest, wie ich an anderen Stellen Fortschritte mache. Wenn man mit Ego Ashtanga praktiziert, kann man sich im Nullkommanichts verletzten und ich bin auf einem guten Weg mit Körperachtsamkeit meine Grenzen weiter nach hinten zu verschieben. Mit einem Lächeln die Yogastunden zu beenden und die Vorzüge am eigenen Körper zu spüren und sich friedvoll zu fühlen. Das ist Yoga und das gilt es nicht zu vergessen.
Amanda hat mir eine Anekdote aus ihrer Praxis erzählt. In ihrer ersten Ashtangaklasse meinte sie zu der Lehrerin, dass sie Anfängerin und deswegen nicht gut sei. Sie bekam zu hören, darauf käme es nicht an, sondern nur darum zu wachsen.
Ich habe mir mittlerweile auf die Schulter geklopft und mit Dankbarkeit anerkannt, wie viel ich bereits in den letzten zwei Wochen gelernt habe. Ich spendiere meinem müden Körper dafür eine Massage bei Geeta mit den kräftigen Händen und meinem Geist eine Verschnaufpause am Wasserfall.
2. „Satya“ – Truthfullness
Es geht um das Verständnis und Vertrauen in die wahre Natur unseres Lebens. Diese Klarheit des Geistes bedingt inneren Frieden. Erinnert ihr euch an das Bild mit den Wasserbehältern? Es geht hier um das Konzept der individuellen und universellen Seelen. In Indien begrüßt man sich nicht umsonst, wie ihr bestimmt wisst, mit dem Wort „Namaste“, was so viel heißt wie „ich grüße das Göttliche in dir“. Mit „Satya“ rufen wir uns ins Gedächtnis, was Illusion (Maya) und was Realität ist. We are happy souls. Das zu realisieren ist eine der zentralen Aufgaben der indischen Philosophie, der Lehre des Lebens.
3. „Parigraha“ – non-possesivness
Nicht Anhaftung ist auch ein großes Thema auf das ich ständig stoße. Anhaftung führt zu Gier und zur Angst etwas zu verlieren. Auf physischer, emotionaler und geistiger Ebene hängen wir übermäßig an Dingen und Menschen. Diese Hindernisse auf dem Yogaweg oder generell auf dem Lebensweg führen unweigerlich zu Leid.
Ich schaue zu einem Freund von mir auf, der ein unfreiwilliger Lehrmeister im Lernfeld der Nichterwartung ist. Er kultiviert radikal die Erwartung keine Erwartung zu haben. „Sein“ statt „müssen“ oder „wollen“. Das ist modernes Zen. Ohne Anhaftung zu sein, führt zu einem ganz anderen sozialen Netzwerk und ich spreche hier auf keinen Fall davon, ohne Liebe zu sein für seine Mitmenschen, sondern von einer anderen Form der Freiheit. Verbindungen werden aus der Fülle heraus geschlossen und ein einfaches pures Leben nährt einen, anstatt sich mit übermäßigem Materialismus selbst Fesseln anzulegen. Dr. Pratish riet mir auch zu einem einfachen Leben. A simpel life.
Die beiden weiteren „Jamas“ behandeln das nicht stehlen und die sexuelle Abstinenz.
„The Jamas teach us the lesson of selflove, clarity, purity and nonholding “ – Die „Jamas“ bringen uns Selbstliebe, Klarheit, Reinheit und das Nichtfesthhalten bei.
Ich schreibe diese Zeilen an einem zerkratzten Metalltisch, der den Rest einer turkisnen Patina aufweist. Der Wasserfall hinter mir rauscht und ich höre die beiden indischen Männer im Chailaden schnacken. Auf der anderen Seite des Tals scheint es zu einem Kloster zu gehen, da dort so viele bordeauxrote Roben die steinigen Serpentinen hoch und runter steigen. Es ist Fühling geworden, der von den Vögeln besungen wird. Neben den Geröllfeldern leuchten die roten Blüten analog zu den tibetischen Gewändern. Am Fuß der Berge sehe ich die Häuser von Dharamsala und dahinter verschmelzen blaugraue Hügel mit dem diesigen Horizont. Der Tag hat mir gehört und mich genährt. Ich fühle mich zufrieden und dankbar.

20190324_162506-COLLAGE.jpg

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das:
search previous next tag category expand menu location phone mail time cart zoom edit close