face your fears

Ich bin voller Dankbarkeit, dass ich diese Tage in Kerala verbringen durfte und zugleich voller Vorfreude was nun vor mir liegt. Mit runter gekurbeltem Fenster geht es durch die Gluthitze des Nachmittags und ich bin froh unbeteiligter Beobachter zu sein vom dreckigen Straßentrubel. Nach dieser Abschottung muss ich mich erst mal wieder an die indische Lebhaftigkeit gewöhnen. Aber das Ziel ist klar vor Augen. Am Sonntagnachmittag will ich bereits am Fuße des Himalayas spazieren gehen und mein temporäres zu Hause für die nächsten 63 Tage unter die Lupe nehmen. Ich stelle mir die Luft angenehm kühl vor und jetzt nach dem ausklingenden Winterwetter sollte dort bereits alles grün sein.
Ich hatte diese Woche einen Traum davon an einem neuen Ort anzukommen, an dem ich Niemanden kenne und in dieser Traumsituation war ich auch nicht dazu in der Lage mit Jemandem in Kontakt zu treten. Das Traumich fühlte sich nicht dazugehörig, wie ein Außenseiter und undefiniert minderwertiger als die anderen hippen Leute um mich herum. Kein schöner Traum.
Als ich darüber nachdachte, fragte ich mich warum man auf Unbekanntes so oft mit Angst reagiert. Ich möchte dazu eine Geschichte, natürlich von Dr. Pratish, wiedergeben. Stellt euch vor, ihr begegnet im Wald einer Kuh und ihr habt dieses Tier noch nie zuvor in eurem Leben gesehen. Wie reagiert ihr? Wahrscheinlich mit Angst. Aber wenn man, anstatt Angst zu haben, die Kuh beobachtet und versucht sie zu verstehen, kommt man bald zu der Einsicht, dass man von der Kuh nichts zu befürchten hat.
Jeder von uns hat bestimmt Bereiche, die ihn nervös machen und wo die Unsicherheiten tief verankert sind. Er hat mich aufgefordert, vor meinen Ängsten in allen Bereichen nicht länger weg zu laufen. Man hat immer die Wahl, ob man an falschen Glaubensätzen und Ängsten festhalten will, oder sie überwinden möchte.
In mir ist, wie der Traum schön illustriert, das Thema Scham oder die Angst nicht zu genügen tief verankert. Ein guter Freund von mir nennt Scham den kleinen Tot, was ganz gut die Qualen beschreibt, die sie einem bescheren kann.
Es ist nicht immer einfach seinen Platz zu finden, wenn sich eine neue Gruppe bildet und in diese eingegliedert zu werden ist wahrscheinlich jedem ein Bedürfnis. Diese Teambuildingsituation steht nun diesen Sonntag an, wenn all die Yogis und Yoginis in der Yogaschule in Dharamsala eintrudeln, um gemeinsam Yogalehrer zu werden.

Mein Unterbewusstsein hat mir deshalb diesen Traum geschickt, denn obwohl ich in der Regel nicht schüchtern bin, bekomme ich vor Neuanfängen und der Konfrontation mit dem großen Unbekannten doch immer wieder weiche Knie.
Eine andere Analogie aus Dr. Pratishs Geschichtenschatz ist der Vergleich von uns Menschen mit Wassergefäßen. Wie unsere Körper sind diese Wasserbehälter alle unterschiedlich geformt. Große, kleine, bauchige, schmale und kurvige Gefäße. Wenn man nun an den Äußerlichkeiten festhält, sind wir alle unterschiedlich und fremd. Der Erleuchtete jedoch kann aus der Vogelperspektive auf diese Behälter blicken und alles was dann zu sehen ist, ist dieselbe ruhige Wasseroberfläche in uns allen. Das Göttliche in uns, unsere Seele, wie auch immer man es nennen mag, ist uns allen gemein und verbindet uns. Wenn ich diesen Umstand wirklich verinnerlichen kann und das ganz ohne Erleuchtung, dann gibt es keine Zu- oder Aneigung mehr beim Kennenlernen, sondern ich sehe die anderen, als das was sie wirklich sind. Dann gibt es keine Scham, keine Ängste, keine Verurteilung und keine Ablehnung. Ein Fremder ist oft ein Freund, den man noch nicht kennt und wie alle Neuzugänge in meinem Leben halten sie Aufgaben und Geschenke für mich bereit. Man könnte sagen, dass wir in gewisser Hinsicht alle Brüder und Schwestern sind und die Getrenntheit, die wir wahrnehmen, ist eine Illusion, die es zu überwinden gilt.

Ich finde diese Vorstellung sehr beruhigend und werde versuchen, sie mir immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, bis sie mir in Fleisch und Blut übergegngen ist oder besser gesagt in meinem Herzen angekommen ist.
Ich denke ich werde heute Nacht schöne Träume haben.

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