Mother Ganga

30 Autominuten stromaufwärts fanden wir uns in einer Höhle ein, um zu meditieren. Hier soll ein Baba die Erleuchtung erlangt haben, erfahre ich im Nachhinein. Ich sitze ganz unerleuchtet auf einem Kissen im Höhlenmuff und bin nicht so wirklich in der Lage mit meiner Konzentration bei meinem Atem zu bleiben. Ein Disput mit einem Freund spukt mir durch meinen Kopf und es sollte sich nach der tausendsten Auseinandersetzung die Frage stellen, ob mir solch eine Freundschaft wirklich nutzt.

Als ich aus der Höhle schlendere, sind die meisten schon am Ganges Strand. Es ist ein besonderer Vollmond Tag und die Erleuchtung Buddhas jährt sich. Ich sitze auf einem Stein und meine Füße baumeln im heiligen Fluss. Die anderen Gruppenmitglieder der Exkursion werden am Puderzuckerstrand nicht müde Akro Yoga Posen für Instagram zu produzieren.
Die Straßen außerhalb von Rishikesh sind staubig und voller Baustellen. Als wir auf dem Rückweg eine von ihnen passieren, schlaghammert ein Bagger gerade einen riesen Felsblock aus der Wand, der prompt auf unser Auto zurollt und unsere Front demoliert. Natürlich kommt keine Polizei und die Baustelle mit ihren vielen „Security“ Angestellten sieht sich auch nicht in der Schuld dafür aufzukommen. Ich bin scheinbar eine konservative Anarchistin und finde in diesem Fall die indische Regellosigkeit nur schwer nachvollziehbar.
Nun ja. Wir kommen zu spät zum „Soundhealing“, aber kommen wenigstens körperlich unbeschadet davon. Das Healing ist wie ein Konzert, nur bequem im Liegen. Als ich mich wieder aufrichte, sehe ich bereits wie der volle Mond sich mit seinem Schein ankündigt, der die Bergspitze mit einer weißen Aura versieht. Es wird das Mantra Shiva Shambo angestimmt, indem es um die Transformation hin zu einem höheren Bewusstsein geht, das wir alle zu erreichen in der Lage sind. Es sollte der schönste Mondaufgang sein, den ich je gesehen habe.

Am freien Sonntag steht Rafting auf dem Programm. Mein Fazit ist, dass mir das im Großen und Ganzen zu aufregend ist. Es gibt schönere Arten Natur zu genießen und ich hasse -ja, ich stehe dazu – diese GoPro und Selfie Orgien und die künstlich aufgestachelte „gute Laune“, um dem Video den richtigen Schliff zu verleihen. Es bleibt ein fader Geschmack zurück nicht dazu zu gehören, weil ich nicht wie die anderen ticke. Ich sitze jetzt wieder ganz friedlich und allein im Café und finde es großartig. Diese Gruppenaktivitäten sind mir zu kompromissbehaftet, zu kräftezehrend und meine Definition von Spaß ist scheinbar eine andere. Es ist ein Akt des Selbstrespektes meine Andersartigkeit nicht als einen Makel zu sehen.

Beim Rafting gab es einen Erdrutsch und wir mussten zusehen zum linken Ufer zu kommen, um dem ins Wasser stürzenden Erdreich auszuweichen. Da weiß man jetzt nicht so recht, ob man sich nach dem Autounfall und dem Erdrutsch bedroht fühlen soll, oder einfach jedes Mal froh sein sollte, dass man einen Schutzengel gehabt hat.

Ich schaue auf den Ganges, die Badenden am Ghat, die Brücke nach Laxman Jhula und es sind mir zu viele Leute auf der Straße. Roller, Kühe, Touristinnen in bunten Saris, Lastenträger. Solch ein Gedränge. Hare Krishnas tanzen und singen voller Inbrunst. Tempel dudeln Musik. Indien zerrt gerade an meinen Nerven.
Aber wie ich feststelle, gibt es auch hier Oasen der Ruhe, von denen man aus ungestört den Sonnenuntergang beobachten kann. Das gute Leben ist eine Einstellungssache und ich versuche mich nun in Abgrenzung zu schulen. Lärm, Schmutz Menschenmassen sollte mich nicht so tangieren. Zu Hause wartet ganz anderer Stress auf mich. Frieden muss man insbesondere dort kultivieren, wo es heiß hergeht. Das ist mein Vorsatz für die nächste Woche.

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