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Diese Woche war sehr lehrreich für mich.

Die anfängliche Euphorie bezüglich der neuen Lehrerschaft wich schneller als erwartet. Maytri, ihr Name bedeutet Freundlichkeit, macht derzeit ihren PHD in Yoga. Sie ist durch und durch eine Wissenschaftlerin. Sprühende Intelligenz, aber ein Faible für Jahreszahlen, Referenzen und etymologische Zusammenhänge. Mit einer lähmenden Langsamkeit geht sie den Dingen auf den Grund und tagelang befanden wir uns gedanklich in der Geschichte der indischen Kontemplation weit vor Christi Geburt. Völlig unterfordert, angesichts ihrer Wiederholungsschleifen, kam ich an die Grenzen meiner Geduld. Ich kann es leider nicht gut verstecken, wenn ich mit Dingen nicht einverstanden bin und machte mich im Nu als Störenfried des Frontalunterrichts bemerkbar, indem ich sie mit kritischen Zwischenfragen aus dem Konzept brachte. Ich löcherte sie mit Fragen zum Curriculum, weil ich natürlich, oder soll ich sagen bedauerlicherweise, Vorstellungen hatte, was ich mir zu lernen erhoffte und ihre Blicke gaben mir deutlich zu verstehen, dass auch kritische Geister doch bitte den Ball flach halten sollten. Rezipieren statt gestalten und Geduld, Geduld, Geduld.

Da Katja und ich ähnlich gestrickt sind und meine Meinung teilt, hatte ich schnell den Eindruck, dass die ganze Gruppe unter diesem Lehrstil leidet und etwas unternommen werden muss. Ich sehe mich schnell veranlasst in wenig durchdachten Aktionismus die Führungsrolle des Protests an mich zu reißen, um im antizipierten Interesse der Gruppe etwas zu erreichen. Mit Müh und Not gebot der Yogi in mir abzuwarten und wollte ihr eine Woche Probezeit gewähren, anstatt es mir direkt endgültig mit ihr durch meine Kritik zu verscherzen. Ich bat um Rat bei Freunden, wie ich mich am besten zu verhalten hatte, weil in mir buchstäblich ein Kampf tobte. Ich fühlte mich schlecht in ihren Klassen, da ich vermeintliche Zeitverschwendung nicht leiden kann und die Ungeduld mich ungemein quälte. Das gewohnte Verhaltensmuster Ungemach zu vermeiden und direkt auf störende Emotionen zu reagieren war ungemein stark und wütete wie ein Dämon in meinem Kopf.

Im Laufe der Woche befragte ich noch einmal eingehende meine Mitstudenten zu ihrer Einschätzung und ich war erstaunt über das Ergebnis. Ich erfuhr, dass es einem von uns guttat Sachverhalte vielfach zu wiederholen, weil es seinem Lernmuster entsprach und eine andere Meinung spiegelte einfach nur Zufriedenheit wider, weil es keine Erwartungen bezüglich der Lerninhalte gab. Na so was. Manchmal halte ich mich für empathischer, als ich tatsächlich bin und mache immer wieder gern den Fehler zu denken, dass alle so ticken wie ich. Es stellte sich also als eine unlautere Verallgemeinerung heraus und mein vorschnelles Eingreifen hätte sogar einem meiner Mitschüler geschadet, da ich nicht in seinem Interesse gehandelt hätte. Ich möchte jedoch mit meinem Handeln niemandem schaden und verstehe nun, dass ich nicht genug prüfe, welche Konsequenzen mein Handeln für andere hat und das die Bedürfnisse der anderen Menschen nicht selbstverständlicherweise mit meinen übereinstimmen.
Diese Erkenntnis war wie ein klärendes Gewitter und ich konnte mich mit neuem Gleichmut in die Yogatheorie-Fluten stürzen. Mit dem Strom schwimmen, anstatt mit Dickköpfigkeit seinen Willen durchsetzten zu wollen. Ich möchte mich für den Erhalt der Lehrqualität und meiner Rechte einsetzten, aber der Ton macht bekanntlich die Musik.
Es kam zufällig zu einem offenen Gespräch mit dem Pranayamalehrer, dem ich meine subjektive Sicht schildern konnte, was alles an der Schule schiefläuft. Ohne dies zu forcieren, bot er sich an, sich subtil für unsere Interessen einsetzten, was sich bereits am nächsten Tag bemerkbar machte. Wenn man mit dem Strom fließt, ist das Leben leichter.

Ich habe richtig viel aus der Situation mitgenommen. Es gelang aus der Falle der emotionalen Reaktion herauszukommen, um eine Lösung zu finden, die gut durchdacht ist und eher meinen Werten entspricht. Blinder Aktionismus, auch wenn dieser auf den ersten Blick im Sinne des Allgemeinwohls zu sein scheint, ist zu überprüfen, da ich sonst aus Versehen anderen schaden könnte. Empathie und Feinfühligkeit, anstatt mit dem Kopf durch die Wand.
Es ist Sonntag und der Ansage des Wetterberichts zum Trotz lacht die Sonne. Wir haben uns heute Morgen zu einer sehr lockeren Yogaeinheit getroffen und uns gegenseitig unterrichtet. Katja meinte, ich wäre exzellent gewesen und ich muss sagen, dass ich mit meinem spontanen Mitwirken daran sehr zufrieden bin. So viel Druck ist von mir abgefallen und mit dem nötigen Vertrauen in mich selbst finde ich die richtigen Worte und das nötige Fachwissen in meinem Unterbewusstsein und kann mich selbstbewusst zeigen und sympathisch vermitteln, auf was es ankommt.
In meinem Tagebucheintrag von heute Morgen sprudelten die Dinge, für die ich dankbar bin nur so aus mir heraus. Dankbarkeit kann man also tatsächlich trainieren, aber niemals erzwingen. Jeden Tag freue ich mich wieder auf die Frage, ob mich etwas nervös macht, denn das kann ich verneinen. Ich ruhe gerade wieder in mir. Es kristallisiert sich immer deutlicher heraus, was ich benötige, um mich stabil und gut zu fühlen.
Eine gesunde Routine, eine sinnvolle Aufgabe, an der ich wachsen kann. Sanfte Bewegung, Konzentration, Rückzug der Sinne und Anregungen für meinen überaktiven Geist, die mir bedeutend erscheinen.
Ich bin glücklich und sende euch warme Umarmungen in eure österlichen Kaffeerunden vor nach Vanille duftenden, frisch gebackenen Osterlammbisquitkuchen.

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