Journaling – Hygiene for the soul

Seit dem Teenageralter habe ich sehr viele Tagebücher mit Inhalt gefüllt. Es ordnet das Innenleben und Hefte sind geduldige Zuhörer, wenn man das tausendste Mal seinen Kummer klagen möchte. Ein potenter Begleiter, der Gedankenkreisen stoppen kann, Lösungen durch Introspektion anbietet und Träume der Nacht und das Leben betreffend festhält. Es hilft, sich selbst besser zu organisieren und zu verstehen. Ob das nun ein simples Notizbuch ist oder ein fancy bullet journal ist Geschmackssache.
Das Thema beschäftigt mich, weil eine neue Freundin jeden Tag klagte, dass sie ihren Körper hasst und sich, obwohl sie nicht viel isst, für jede Sünde schonungslos verurteilt. Ich verstehe sie mit ganzem Herzen, da ich mich von den fantastischen Kuchenauslagen hier auch terrorisiert fühle und all zu oft schwach werde. Ich habe ihr zugeredet, dass der Körper jeden Tag Dankbarkeit verdient. Eine Teillösung schien mir ein Dankbarkeitstagebuch zu sein, um Frieden mit sich selbst zu schließen. Ratschläge sind immer leicht erteilt, aber wie steht es denn mit meiner eigenen Dankbarkeit? Ich habe mir dann die Frage gestellt, von welcher Art Tagebuch zu schreiben ich am meisten profitieren kann und wie ich Dankbarkeit darin integrieren möchte.
Ich habe mich mit dem Macher von nomadsland.org unterhalten und er hat mir Einblick in seine Tagebuch Routine gewährt. Es besteht aus vier Absätzen. Fragen, die er mit einem Wort und einem Satz beantworten kann, seine Nachtträume und ein freier Text. Ich musste zunächst lachen, als ich seine Auflistung las, die er mit einem Wort beantwortet. Schlaf, Körpergefühl, Stimmung, Libido und Medikation. Weit interessanter war dagegen war: Was ist gestern passiert, das ich mir verzeihen möchte? Wofür bin ich dankbar? Was macht mich nervös? Was habe ich gestern tolles geschafft? Was möchte ich heute erreichen? Diese Sammlung hat mich dafür sehr angesprochen und ist nun auch Teil meiner morgendlichen Schreibroutine geworden.
Beim Schreiben vergegenwärtigt man sich der Dinge, wie sie sind. Man erkennt an, dass man selbst die Verantwortung trägt seine Probleme zu lösen und lotet seinen Handlungsspielraum aus. Es sind kurze tägliche Reflexionen, die einem mit Achtsamkeit seine eigenen Gefühle betrachten lässt. Beim erneuten Lesen entsteht eine andere und klarere Sicht auf den eigenen Tag. Über Listen strukturiert man sich, um auf die Zukunft zuzuarbeiten, die man haben möchte. Die tägliche Struktur formt das Leben und das wird die Zukunft gestalten. Man gleicht die Realität mit seinen Wünschen ab und plant Schritte zur Umsetzung. Auch das ist Tagebuch schreiben. Im Kontext Selbstliebe und Körperdankbarkeit könnte man durch eine tägliche Anerkennung seines „Tempels“ sicherlich viel bewirken. Ich werde das ab heute mal testen.
Nun wie ist das nun mit der Dankbarkeit. Morgens kann Dankbarkeit ein Vorsatz sein und die ganze Ausrichtung bezüglich des Tages zum Positiven wenden. Abends kann man sich selbst für das Geleistete auf die Schultern klopfen und danken. Was hat der Körper und der Geist tolles geleistet? Für welchen Menschen ist man dankbar? Was hat sich ereignet, wofür man dankbar ist?

Wir sollten uns vergegenwärtigen, dass gerade, weil alles in Bewegung ist, nichts selbstverständlich und unendlich ist. Gut muss nicht aussergewöhnlich sein. Das Gute liegt bereits in den einfachen Dingen. Alles, was in diesem Moment schön ist, hat unsere ganze Aufmerksamkeit und unseren Dank verdient. Fest steht, dass Dankbarkeit Ärger und Sorgen auflöst und uns mit mehr Liebe auf uns selbst Blicken lässt.

Ich gehe jetzt mal los und beginne den Tag mit einer Tasse Kaffee und meinem Tagebuch.

 

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