welcome onboard

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Schon am Flughafen ist mir aufgefallen, dass sich die Bekleidungsgewohnheiten verändert haben, seit ich das letzte Mal hier war. Es gibt sie immer noch die Pullunder und Hemd tragenden schnauzbärtigen Durchschnittsinder. Zum Turban in Signalfarben ist jetzt aber auch ein Boss Jogger Komplettoutfit chic und man sieht viel mehr Frauen in westlicher Kleidung. Vor 12 Jahren schienen mir, obwohl man beim Sari ja durchaus Hautpartien erspähen kann, die Frauen doch sehr verhüllt. Meine Kleiderwahl erschien mir nun etwas zu konservativ. Ich hatte, obwohl die erste Destination am Meer liegt nicht mal gewagt einen Badeanzug mitzunehmen, weil derartig entblößt wäre man damals unangenehm begafft worden. Heute war ich die einzige in Klamotten, die in das badewannenwarme arabische Meer gesprungen ist.
Als ich bei meiner Fahrt zu meiner Bleibe am Cherai Beach aus dem Fenster schaute, erschien mir Indien jedoch wie ein alter Vertrauter, der sich über die Jahre kaum verändert hatte. Kerala präsentiert sich immer noch tropisch grün und üppig. Bunte Häuser unter Kokospalmen, chinesische Fischernetze auf den zahlreichen Seen und friedlich grasende Kühe am Straßenrand. Es wird in Dreierreihen wild hupend überholt und gefahren wird oft zu dritt. Hinten im Damensitz die farbenfrohen Frauen im Sari, Der Ehemann hat sein mit ziemlicher Sicherheit kariertes Hemd in seinen Longi gesteckt und die Kinderschar hält sich vorne am Lenker fest. Typisch Asien eben.
Ich habe das Gefühl mehr Wohlstandsbäuche zu sehen, vielleicht ist aber auch nur Fast Food auf dem Vormarsch. Fritiertes wird entlang jeder Straße in Betterbude angeboten, was ich dieses Mal aber meide, um nicht wieder eine Attraktion  im Tropeninstitut zu werden.
Permanent hört man das Krächzen der Krähen, die allgegenwärtig zu sein scheinen. Sie teilen sich den Himmel mit zahlreichen Greifvögeln und Flughundschwärmen, die sich sogar am Tage blicken lassen. Beim Frühstück, mit Blick auf das obligatorische Müllfeuer, saß mir einer dieser Krähen gegenüber und beobachtete genau, ob ich alle Reispfannkuchen aufessen würde, die mir aufgetragen wurden. Sind wohl hier die Ratten der Lüfte.

Es ist fein zu erleben wie sich der Radius jeden Tag, an dem man an einem neuen Ort verbringt, erweitert. Auch wenn es hier nicht üblich sein mag für eine Frau habe ich mir ein Fahrrad gemietet (für 90 Cent am Tag) und bin stundenlang herumgefahren. Meine Mission war es mich landesüblich einzukleiden, was sich als eine Herausforderung entpuppte. Die Kleidung von der Stange schien überall ein Design Alptraum zu sein. Die Angestelltendichte ist überall hoch  und in einem Garment Geschäft versuchten mich 5 Angestellte zugleich einzukleiden, was durchaus gewöhnungsbedürftig ist. Es lief auf meinen Leib geschneiderte Kleidung heraus und ich habe mir sogar passende schlumpffarbene Beinkleider aufschwatzen lassen, was ich mir spätestens jetzt nicht mehr erklären kann. Sie haben mit Sicherheit ein gutes Geschäft mit mir gemacht. Na ja, alle glücklich. Was will man mehr.

Mit dem obligatorischen Sonnenbrand versehen sitze ich in einem Café mit Meerblick und lasse den Nachmittag ausklingen. Fühle mich in Asien wie zu Hause und mit den Füßen im Salzwasser überwindet man im Nu Jetleg und aus Deutschland mitgeschleppte Kränklichkeiten.

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