Trust

Heute beginnt mein Yoga Vertiefungslehrerseminar.
Gemäß dem indischen Mondkalender hat heute ein neues Kalenderjahr angefangen (2075 oder so) und ist deswegen eine äußert positive Zeit, um etwas Neues zu beginnen. Man weiß nie was die Zukunft mit sich bringt, aber mit Vertrauen und Zuversicht würde ich mir einen größeren Gefallen tun, als mit bangen Erwartungen und vorschnellen Urteilen. Vielleicht kennt ihr die Geschichte vom chinesischen Farmer, dessen Sohn sich bei der Feldarbeit beide Beine bricht. Die Dorfgemeinschaft ist fassungslos angesichts dieses Unglückes und drückt ihr Mitgefühl aus und beklagt das schwere Schicksal der Familie. Der Alte Bauer bleibt ungerührt und erstaunlich gefasst und kommentiert das Passierte nur mit einem knappen Ausspruch „wir werden sehen“. Einige Tage später zieht ein Militärtross des Königs durchs Dorf und zieht alle jungen Männer zum Kriegsdienst ein, außer den jungen Mann mit den gebrochenen Beinen. Das Dorf zerreißt sich die Mäuler, welch Glücksfall, das doch sei und der Vater des Jungen bliebt erneut gleichmütig. Die Geschichte wird noch weitergesponnen, aber es ist jetzt schon klar, um was es geht. Es wäre angesagt sich das Wechselbad der Gefühle zu ersparen und dem Leben zu vertrauen.
An erster Stelle steht das Verständnis, dass wir nicht unser Verstand (Mind) sind. Er ist der Austragungsort unserer Ängste und somit der Gegenspieler des Vertrauens. Negativ zu denken ist ein Stück weit eine schlechte Angewohnheit, die man wie jede andere ablegen kann.

Wenn man mitten im Flussbett des Ganges steht, hat man zwei Optionen. Man kämpft gegen den Strom an oder lässt sich treiben. Derjenige, der gewillt ist zu vertrauen, wird sich treiben lassen und neue Ufer erreichen können.
Ich erzähle das natürlich aus einem Grund. Einmal wieder habe ich mich lieber dem urteilenden Dorfpöbel angeschlossen, als die weise Alte zu sein. Ich war voller Befürchtungen bezüglich des Vertiefungskurses und der neuen Gruppe. Schon wieder… Ich habe das Gefühl ich muss Prozesse wieder und wieder durchlaufen, bevor ich mich anpassen und meine alten Denkmuster wirklich ändern kann.
Beispiel 1. Meiner notgedrungenen Sportpause zwischen den Kursen konnte ich nicht das geringste abgewinnen. Ich war sicher jeden Tag Muskeln in Fett umzuwandeln und fühlte mich schon wie ein verweichlichter Meeresschwamm. Heute hatte ich wider erwarten eine ganz großartige Ashtangayogastunde, in der ich plötzlich viele Asanas meisterte, die vor 2 Wochen noch nicht möglich waren. Die Sportpause hatte meinem Körper die Zeit gegeben, die er brauchte, um Verletzungen zu heilen und so schwammig war ich nun auch wieder nicht geworden. Das meiste passiert im Kopf und hat mit der Realität nichts zu tun.
Beispiel 2. Meine Gruppe für den neuen Kurs ist überaus sympathisch und es sind alles Leute, mit denen ich gut klarkomme. Wir sind nur 4 Teilnehmer, also scheint die intensive Betreuung auch wieder gewährleistet zu sein.
Besonders glücklich machen mich die neuen Lehrer. Die Philosophielehrerin sieht es genauso wie ich. Wir sind nicht zufällig zusammen hier, sondern unser Karma verbindet uns. Wir halten etwas füreinander bereit und werden voneinander lernen. Die beiden Lehrer sind diese Art Menschen, denen du ihre Reinheit an den Augen ansehen kannst. Sie tragen nicht wie der Besitzer der Schule nur die Maske eines Yogi, sondern sind herzensgute, freundliche Menschen und Lehrer mit Charsima. Sie haben unsere Erwartungen abgefragt und scheinen sehr bemüht unser Wissen zu vertiefen.

Ich habe dieses Wochenende meinem Selbstmitleid die Existenzberechtigung entzogen. Ich führe ein ressourcenreiches Leben und sich gut zu fühlen ist in meinem Fall ausschließlich eine Einstellungssache. Ich bin nicht eingeschränkt durch Umstände, die sich meiner Handhabe entziehen. Eigentlich ein Glücksfall, denn das Einzige, das noch zwischen mir und meinem Glück steht, ist mein Kopf.
Das macht es nicht zu einem leichten Unterfangen, aber es ist ein Ziel,das ich definitiv erreichen kann. Ich habe mich wieder ins Cockpit gesetzt und begonnen Verantwortung zu übernehmen. Und meine erste Amtshandlung ist Vertrauen in den Lauf meines Lebens.

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