Smriti – Mindfullness

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Samstag waren wir wieder im Tushita Meditationszentrum, der Ort der Stille, den ich neulich bereits beschrieben habe. Es werden hier zweierlei Meditationsformen angewendet. Die stabilisierende und die analytische Meditation. Die stabilisierende Variante konzentriert sich auf den Körper z.B. auf den Fluß des Atems oder den Bauch, der sich mit dem Atem hebt und senkt. Sie wird als Vorbereitung für die zweite Meditationsform benutzt. Die analytische Meditation befasst sich mit einem Thema. Es ist wichtig einen Inhalt so lange zu wiederholen, bis man diesbezüglich Einsicht erlangt hat. Als ich das zweite Mal die Vergebungsmeditation erprobt habe, konnte ich bereits viel tiefer gehen und es sind einige Tränen geflossen. Alberto berichtete mir, dass er nach dieser Meditationssession viele Leute mit verheulten Augen gesehen hat. Emotionale Knoten der Vergangenheit können über eine solche Bearbeitung im Unterbewusstsein Stück für Stück aufgelöst werden.
Achtsamkeit ist nicht gleichzusetzten mit Meditation, jedoch sind diese Themen eng miteinander verknüpft. Achtsamkeit ist ein größeres Thema, das jeden Augenblick umfasst und nicht nur die stillen Minuten, die wir im Meditationssitz verbringen. Achtsamkeit bedeutet bewusst in jedem Moment zu sein und wird zu einem neuen Umgang mit sich selbst und anderen führen. Es entsteht ein Abstand zur Aussenwelt, Automatismen werden gestoppt und bewusst gefällte Entscheidungen verändern die Lebenswelt. Das betrifft beispielsweise die Beurteilung und Verurteilung von einem selbst und anderen. Meditation ist das Werkzeug, welches das nicht Urteilen einübt.
Vor 12 Jahren habe ich an einem 10 tägigen Vipassana Schweigeretreat teilgenommen und ich erinnere mich genau, wie ich unzufrieden mit mir war, weil ich immer wieder abgeschweift bin in meinen stundenlangen Meditationssitzungen. Aber das ist genau der Lerneffekt, der mit mehr Meditationspraxis und Übung eintritt. Man schweift unweigerlich ab, aber der Unterschied liegt darin OHNE zu verurteilen liebevoll seine Aufmerksamkeit wieder zurück zu seinem Meditationsobjekt zu lenken. Liebe statt Hass. Damals hatte ich das noch nicht begriffen. Um so schöner zu sehen, dass ich mich weiterentwickelt habe. Meditation ist einer der Schlüssel zum nicht Urteilen über sich und andere und somit auch der Schlüßel zu Selbstliebe und Liebe zu seinen Mitmenschen.
Vorletztes Silvester postiulierte ich einen utopischen Vorsatz fürs neue Jahr. Es war unconditional Love. Ich bin im folgenden Jahr nicht allzu erfolgreich damit gewesen, jedoch kann ich nun mit diesen neuen Erkenntnissen die Flinte aus dem Korn fischen und einen erneuten Versuch wagen.

Wie lebt man nun diese Achtsamkeit, die in aller Munde ist? Wir sollten erst einmal damit anfangen einen tiefen Atemzug zu nehmen, im Jetzt ankommen und sich dafür entscheiden was auch immer man angehen möchte, es mit voller Konzentration zu machen. In Zeiten von Multitasking und Schnelllebigkeit eine echte Umstellung.
Wichtig ist, wie so oft, bei sich selbst zu beginnen, denn um so selbst-bewusster man ist, desto bewusster kannst du mit anderen umgehen. Der Grund dafür ist wie gesagt der Abstand, der zwischen Reiz und Reaktion gebracht wird, durch das Aufhalten automatischer Reaktionsmuster. Man wird getriggert, aber dann kann man wählen, was eine angemessene Reaktion ist.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist mindfull listening. Wir ticken alle unterschiedlich und eine altbekannte Konfliktquelle ist diejenige, dass man seine Denkmuster und Schablonen auf andere überträgt, obwohl andere Menschen andere Bedürfnisse haben. Achtsames zuhören würde dann so aussehen, dass man bevor man wieder einmal das Gehörte in automatischen Reaktionen mit seinen eigenen Denkmustern interpretiert, man erst einmal versucht wiederzugeben, wie man seinen Gegenüber verstanden hat. Er kann einen dann korrigieren. So kann man Missverständnissen den Gar ausmachen, bevor sie sich potenziert haben.
Achtsamkeit kannst du jeden Moment wieder erzeugen, indem du dich in deinen Körper zurückholst. Lass die Gedanken über Vergangeheit und Zukunft ruhen und nimm einen tiefen Atemzug. Übe nicht vorschnell zu Urteilen und kultiviere einen liebevollen Umgang mit dir selbst und anderen.

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