Tranquility

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Über Steile Serpentinen steigt man an Darmakot vorbei durch zauberhaften Wald, so scheint es auf den ersten Blick, bis man über übelriechenden halb verbrannten Unrat steigen muss, den Affen, Hunde und alle möglichen tierischen Waldbewohner schon nach Essensresten durchwühlt haben. Eine Schande!
Das Tushita Meditationszentrum liegt auf dem Bergrücken Darmakots und sobald man die bunte Pforte des Meditationszentrums durchschreitet, ist es, als trete man in eine andere Dimension. Kein TukTukgehupe oder Magginudeln verscherbelnde Imbissbuden. Stille. Eingehüllt vom Dunkelgrün des Nadelwaldes hört man plötzlich nur noch Vögel. Ein Ort mit formidabler Energie. Auf der Pforte ist zu lesen „BUDDHIST PHILOSOPHIE AND NEEDS FOR ULTIMATE HAPPINESS“. Ein verheißungsvoller Ort. Ich wünschte, ich hätte mehr Zeit, dann würde ich für einen Meditationsretreat hier bleiben. Es ist ein Ort der Ruhe. Das würde gerade gut zu meinen Bedürfnissen passen. Heute bin ich hier, um an einer geführten Meditation teilzunehmen.
Der Redner zitiert den Dalai Lama und dieser sagt sinngemäß, dass jeder sein eigener Meister ist. Unsere Selbstzweifel gilt es hinter uns zu lassen, denn mit Fleiß und Beharrlichkeit können wir alles erreichen.
Wir sind die Schöpfer unserer Realität oder wie heißt es so schön. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Nie zuvor fand ich diesen Ausspruch so wahr wie heute. Es gibt auch nicht den Sinn, den es da zu finden gibt, sondern den Sinn, den wir uns selbst geben wollen. Find your purpose. Das ist zumindest der Standpunkt, den ich mittlerweile vertrete.
Zunächst meditieren wir auf unseren Atem. Der Körper wir durchleuchtet nach den Stellen, in denen man Schmerz empfindet, um diesen loszulassen. Man sitzt nun am mentalen Flussufer und lässt den Strom des Atems an sich vorbeiziehen. Man greift nicht ein, man beobachtet einfach. Der Lehrer gibt zu, dass es langweilig ist und das Gedanken kommen werden. Worum es letztendlich geht, ist aufmerksam zu bleiben und wann immer ein Gedanke kommt, wird dieser nur wahrgenommen, ohne ihn zu beurteilen. Gedanken bekommen keine Aufmerksamkeit, sondern man kehrt ungerührt zum ruhigen Strom seines Atems zurück. Er bestreitet nicht, dass es mühsam ist, jedoch kann jeder seine Aufmerksamkeit wie einen Muskel trainieren. Es ergibt Sinn mit kurzen Einheiten zu beginnen, als in langen Meditationen aufrecht zu sitzen und vorzugeben man meditiere. Wenn der Körper schmerzt und die Füße eingeschlafen sind, misst man auch dem keine Bedeutung bei. Man beurteilt nicht, dass man abschweift oder nimmt die Gedanken die kommen nicht näher unter die Lupe. Geduldig und ungerührt schult man seine Konzentration (Dharana), denn sie ist die Grundlage von Meditation (Dhyana).
Die Zweite Übung ist eine Meditation auf ein Objekt. In diesem Fall geht es darum sich und anderen zu verzeihen. Man visualisiert Situationen, in denen man selbst um Verzeihung bittet bzw. um Verzeihung gebeten wird und es entsteht heilsame Vergebung.
Geleitet durch das Bestreben tiefer in das Thema Meditation einzutauschen ging ich am nächsten Tag zu einem Meditationsworkshop in den Morgenstunden. Zwei Inder aus dem Gefolge von Ama waren extra aus ihrem Ashram in Kerala angereist, um den geneigten Zuhörern die Meditationstechnik der „Mutter“ zu unterbreiten. Ama empfängt hunderttausende Besucher, um sie zu umarmen, daher der Name. Ich erinnere mich daran, dass der Kali geweihte Tempel in ihrem Ashram ein ungewöhnlich energetischer Meditationsort war, der mich damals sehr beeindruckt hat.
Meditation definiert der hochgewachsene Redner mit weißem Turban und feingeschnittenen Gesichtszügen als den Equilibriumszustand in jeder Handlung. Meditation ist also nicht nur die Kontemplation im Meditationssitz, sondern eine Geisteshaltung, die in jede Handlung mit einfließen sollte. Alles soll mit einer fröhlichen Haltung angegangen werden und natürlich mit Achtsamkeit.
Amas Technik ist in drei Bereiche gegliedert. Ein Warm-up, 8 Asanas und die Meditation. Es wurde darum gebeten es nicht in Gänze weiterzugeben, daher schildere ich nur den Meditationsteil. Die ersten zwei Teile sollten Ärger und Stress kanalisieren und den Geist beruhigen, indem die Bewegung an den Atem gekoppelt wird.
Man beginnt einer Konzentrationsübung auf einen Punkt, auf den man mit halb geöffneten Augen starrt. Be a witness of your thoughts. Als Nächstes atmet man einige Atemzüge mit Schmackes ein und aus, ähnlich einer ruhigen Variante der Bhastrika Atmung. Mit geschlossenen Augen registriert man im dritten Schritt die Geräusche um einen herum, bevor man sich den Geräuschen in seinem Innerem zuwendet. Man verschließt dafür die Ohren. Manche hören ihren Atem, das Rauschen des Blutes, Meeresgeräusche oder den ominösen „inneren Ton“. Mit weiterhin verschlossenen Ohren chanten man dann das Mantra Ma mit dem Fokus auf das Herzzentrum. Wir sollen das Mantra nun mit geschlossenem Mund summen, was wiederum dem Brahmari Pranayama sehr ähnlich ist. Die Übungen zielen darauf das Anahata Chakra, das Herzzentrum, zu öffnen. Wie sollte es anders sein bei einem Guru, der sich „love & compassion „auf die Fahnen geschrieben hat.
Es gibt einen kleinen Exkurs die Aura betreffend, das bioenergetische Feld, das den Körper umgibt. Man spürt das Energiefeld seiner Hände.
Wir legen uns nun die Handfläche auf den Kopf und visualisieren, wie eine revitalisierende Kraft oder Energie in unseren Körper fließt. Sie betonen, wie fast alle mir bekannten Meditationslehrer, die Wichtigkeit seine Ziele der Zukunft täglich nach dem Aufstehen beziehungsweise vor dem zu Bett gehen detailliert im Geist durchzugehen. Visualisieren und Manifestieren seiner Zukunft – ein ganz wichtiger Punkt und auch Teil meiner Meditation von Dr. J. Dispenza.
Der letzte Teil der Meditation ist die Visualisierung der Erweckung des Kundalini. Eine Kraft, die am Wurzelchakra schlummern soll und erst einmal erweckt im Zuge des Aufsteigens durch die Hauptenergieleitung (Sushumna) alle Chakren (feinstoffliche Energiezentren)zu öffnen vermag. Man stellt sich vor, wie man geflutet wird von einem goldenen Licht, dass sich immer weiter ausbreitet und den Raum, die Stadt, das Land, die Erde und die ganze Galaxie mit ihrem Schein erfüllt. Mit dem Mantra „lokah samastah sukhino bhavantu“ betet man für Glück und Frieden für alle Lebewesen.
Wir sehen uns am Ende der Veranstaltung ein kurzes Video an wie Ama viele, viele Menschen umarmt. Mir kommen fast die Tränen, ohne ersichtlichen Grund. Das mag sich jetzt Lächerlich anhören, aber ich glaube, dass sich im Laufe der letzten Woche eine meiner Blockaden aufgelöst hat. Im Yogasprech würde man wohl sagen, dass die Energie nun wieder ungestört durch mein Anahata Chakra fließen kann. Wie auch immer man es nennen möchte. Ich habe seit ein paar Tagen das Gefühl aus anderen Augen auf die Welt zu blicken. Dieses Yogabootcamp ist wie der Entkalker, der alles durchputzt und zurechtrückt. Ich bin verdutzter Zeuge wirklich ungewöhnlicher Veränderungen und verbleibe mit vor Staunen geweiteten Augen und in tiefer Dankbarkeit.

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