Karma

Sehnsüchte erzeugen Karma und diese Sehnsüchte gehen immer Hand in Hand mit Gedanken und Handlungen. Man könnte sagen, man sät eine Handlung und erntet eine Gewohnheit, die dann wiederum den Charakter hervorbringt. Dieser Charakter bestimmt letztendlich unser Schicksal.
Da unser Wille frei ist, können wir Einfluss auf unser Schicksal nehmen, indem wir versuchen Wünsche und Abneigungen aufzulösen und unsere Handlungen eine positive Ausrichtung zu verleihen.
In Indien geht man davon aus, dass das Karma der Vergangenheit unseren Körper und Geist formte. Dieses Karma ist nicht zu vermeiden und muss nun erlebt werden. Mit allen Handlungen der Gegenwart entstehen neue Karmas und das ist der Punkt, in dem wir Handlungsspielraum haben. Die Anstrengungen, die wir also heute unternehmen, bestimmen unser morgen.
Da sind wir nun. Drei ehrgeizige, intensive Frauen, die versuchen wollen ihrem Leben mit Yoga eine neue Ausrichtung zu geben. Wir haben jeder eine andere Ausgangslage, aber wollen nun unser Karma, das unsere Zukunft bestimmt, in die Hand nehmen. Yoga ist kein Workout, sondern ein ganzes System, das Körper und Geist zu formen weiß. Es fußt auf einer moralischen Basis aus Yamas und Niyamas, die einem Hinweise für den Umgang mit der Umwelt und sich selbst geben. Asanas sind die Körperübungen und Pranayama die Kontrolle des Atems, beziehungsweise der Lebensenergie. Pratjahara ist der Rückzug der Sinne und Samyama der Umgang mit dem Geist. Dharana (Konzentration) ist die Voraussetzung für Dhyana (Meditation). Samadhi ist das Ziel, die innere Freiheit.
Ich habe gerade ein Interview mit Geshe Michael Roach auf youtube gesehen, der erklärte, was Karma aus der buddhistischen Perspektive ist und wie es mit Erfolg verknüpft ist.
Die Gedanken sind die Ausgangslage, die zu unseren Handlungen führen und dieser Eindruck, der im Geist dadurch entsteht, führt zu Karma. Karma ist der Same, den wir in unseren Geist einpflanzen.
Er erklärte, dass aus buddhistischer Perspektive Altruismus Grundvoraussetzung für das Sprießen dieser positiven Samen ist, weil sie sonst einfach im Erdreich des Geistes weiter schlummern, ohne Früchte zu tragen.
Schritt eins ist es sich zu fragen, was man an diesem Tag erreichen will, um dann seinen karmischen Partner zu finden, der dasselbe Ziel hat. Man bringt seine Energie und Zeit auf, um ihm ohne Eigennutz zu helfen. In dieser Zeit prägt man seinen eigenen Geist – ein karmischer Samen entsteht. Der letzte Schritt ist sich jeden Tag, über dieses Geben und Helfen zu freuen und zufrieden zu sein mit dem was man erreicht hat. Ganz ohne Stolz. Worauf man seinen Geist richtet, dorthin fließt auch unsere Energie. Und wie die Sonne das Pflänzchen zum Wachsen bringt, so ist Prana, die Lebensenergie, der Erwecker dieses neuen positiven Karmas.
Wir haben uns morgen zusammen verabredet, um entspannt im Café zusammen zu pauken und treffen uns Abends erneut, um das Ausrichten und Korrigieren der Asanas zu wiederholen. Wenn wir uns gegenseitig unterstützen, haben wir bereits die ersten Samen in nährstoffreicher Erde versenkt.
Wir sind nun am Ende der ersten Woche unserer Ausbildung angelangt und ich wache nachts oft auf, weil mein Geist überwältigt zu sein scheint von all dem Input. Wenn ich täglich um 7 Uhr zum Pranayamaunterricht erscheine, habe ich bereits eine geführte Meditation hinter mir, da mein Tag meist gegen 5 beginnt. Nach einem süßen Masalatee haben wir 90 Minuten Hatha Yoga und erst dann wird gefrühstückt. Um das Mittagessen herum haben wir etwas Zeit zum Lernen. Wahlweise folgt darauf Unterricht in Anatomie, Philosophie oder Didaktik. Am Nachmittag muss man seine Energiereserven für die fordernden Sequenzen des Ashtanga Yoga mobilisieren, um dann gemeinsam den Feierabend mit Chapatis und Dal einzuleiten. Karma Yoga (selbstloser Dienst) ist überschaubar und besteht aus ein paar hauswirtschaftlichen Tätigkeiten, wo wir mit anpacken müssen. Heute ist Sonntag, unser freier Tag. Mein gezerrter Körper ist hellauf begeistert zu ruhen und die Wetterprognose gibt Grund zu Optimismus. Bhaksu scheint langsam aus seinem Winterschlaf aufzuwachen.

 

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