Wer kennt es nicht. Man setzt sich im Schneidersitz hin mit aufrechter Wirbelsäule. Die Augen geschlossen und alles wirkt friedlich. In Indien wird der Geist mit einem Affen verglichen, der von einem Skorpion gestochen wurde und dementsprechend anders sieht es sehr wahrscheinlich im Inneren des Aspiranten aus. Eine Sturmflut aus Gefankenfetzen und Gefühlen spühlen alle Ruhe schneller weg, als man gucken kann. Mancheiner beißt die Zähne zusammen und hält durch, bis der Gong das Ende der Meditation einläutet. Aber so ist das Ganze ja nicht gedacht.
Ein besserer Weg es anzugehen, ist es mit dem Fluß zu fließen. Aber nicht im Sinne des sich im Fluß treiben lassens. Da ist ja alles voller Felsen und Stromschnellen, das könnte ganz ungemütlich werden. Mehr im Sinne von den Fluß durch sich hindurch fließen zu lassen. Aber wie soll das gehen?
Meditation entsteht nicht auf Knopfdruck und durch einen Willensanstrenung. Sich selbst dabei auch noch zu ernst zu nehmen ist zusätzlich hinderlich. Also lass zuerst einmal Erwartungen und Vorstellungen los. Wenn du dich selbst als das Gefäß siehst durch den der Fluß hindurchfließen soll, dann sind diese beiden Sachen schonmal wie Flaschenputzer, die dein Gefäß sauber schrubben. Das selbe gilt auch für Konzepte, in die du dich gewohnheitsmäßig hineinpresst. Auf dem Weg zur Meditation darfst du sie hinter dir lassen. Sowohl die Konzepte über dich selbst, die nur dein Potential begrenzen, als auch die Konzepte über Meditation. Ohne Konzepte und Vorstellungen ist das Gefäß ganz transparent und neutral, ganz frei von der Tendenz etwas Bestimmtes zu erwarten.
Zwei weitere Hindernisse gilt es zu umschiffen: Gegenwehr und Überreaktionen. Stell dir einen Menschen vor der aufrecht und entspannt steht und dazu einen anderen, der ihn bewegt, als wäre er der Marionettenspieler. Wenn Der Mensch sich verhärtet, kann der andere an den Fäden ziehen, aber es passiert nichts. Das ist die Gegenwehr. Wenn der andere die Hand direkt hochreißt, wenn der Faden nur minimal angehoben wurde, dann ist das die Überreaktion. Beides spiegelt wieder, dass nicht adäquat auf das reagiert wird, dass einem beim Üben der Meditation begegnet. Wenn Marionettenspieler und Mensch ein Team sind und der Mensch sich voller Vertrauen in den Prozess fallen lässt, dann kann der Fluß ungehindert durch das Gefäß fließen.

