Guru ji

Das Verhältnis von Lehrer und Schüler hat in Indien eine eigene und möglicherweise eigenartige Dynamik. Ich hörte, dass Iyengar seine Schüler teilweise mit einem Stock korrigiert haben soll und wir haben darüber diskutiert, wie das wohl bei den Schülern ankommt. Alpesh meint, es sei eine Gnade, wenn der Lehrer seinen Schüler eine Schabe nennen würde, denn dies bedeutet, dass er ihn bemerkt und seine Aufmerksamkeit zuteil werden lässt. Er zeigt mir ein Video, wo Iyengar mit Schwung auf den Rücken einer Schülerin schlägt und dann sagt, dass war notwendig, dass sie diesen Fehler nicht noch einmal wiederholt. Für indische Lehrer, die im mittleren Alter sind, die selbst durch diese Art Schule gegangen sind, ist dies etwas ganz normales. Schläge des Gurus sind notwendig erklärt mir Alpesh, denn sie sollen das Ego brechen. Iyengar war so ein Kaliber, der wohl auch gesagt haben soll „stirb nicht zu Hause, stirb auf der Matte.“ Alpesh ist dagegen ja ein Softie, der höchstens auf den Männern rumklopft, einem zuruft man solle nicht wie ein Affe gucken, sondern lächeln. Darüber hinaus hat er sich das Schreien in den letzten Jahren offensichtlich abgewöhnt. Vielleicht mussten erst ein paar Gruppen abreisen, bis er gemerkt hat, dass die ´alte Schule´ bei den Westlern nicht immer gut ankommt. „Schweiß“ wird von Iyengar als das Gebet wahrgenommen, dass wir unserem Körper darbieten. Da kann ich schon mehr mitgehen. Iyengar war eben nicht nur ein Grobian, sondern auch ein weiser Mann.

“The physical body is not only a temple for our soul, but the means by which we embark on the inward journey toward the core.”
― B.K.S. Iyengar

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