Ich bin seit einer guten Woche hier, aber die Zeit scheint hier langsamer zu vergehen. Manches Mal im Leben kommt es einem vor, als würde die Zeit rasen und sie rinnt einem unaufhörlich durch die Finger. Hier jedoch bekommt man was für seine Zeit. Dies liegt sicherlich daran, dass ich weniger abgelenkt bin. Ich schaue kein Fernsehen, höre keine Podcasts. Ich lese nicht mal (außer im Yoga-Skript für die Weiterbildung). Ich bin da. Da mit dem Streifenhörnchen auf der Stromleitung. Da mit den Kühen, die entspannt auf der Straße chillen. Ich registriere die Krähen, die sich mit einem Seeadler in den Lüften über mir streiten. Als ich andächtig Porridge mit hausgemachtem Granola mampfe, passiert eine Schweinefamilie die Suhle hinter dem Avani Café. Außer einem Althippi bin ich allein in diesem veganen Cafe. Eine Dajaldrossel wittert ihre Chance und hüpft über die Kissen auf der Suche nach Krümeln. Ein anderes Steifenhörnchen klettert über das Mäuerchen und in der Ferne sagt der Hahn Guten Morgen. Graukopfbülbüls, einheimische Singvögel, unterhalten sich angeregt an diesem friedlichen Sonntag morgen. Wind streicht durch die Fauna und alles wird unterstrichen vom Klangteppich der Zikaden.


Im Gebäude der Yogaschule stehen vier Uhren und alle gingen nicht oder falls doch, definitv falsch. Alle kultivieren eine großzügige Haltung mit der Zeit und auch wenn ich zu Hause Pünktlichkeit als unerlässlich ansehe, ist es hier nicht so sehr von Bedeutung. Alles funktioniert auch so. Vielleicht wäre eine großzügige Haltung gegenüber der Zeit ein gutes Souvenir, das man nach Hause mitnehmen könnte.











