Alpesh

Mein Lehrer ist ein Jainas, also ein Anhänger des Jainismus. Vielleicht habt ihr schonmal Bilder gesehen von Jain Sadhus, die mit so ne Art Imkerhut herumlaufen und vor sich den Weg fegen, um keine Lebewesen zu zertreten oder versehentlich einzuatmen. Für Anhänger dieser Religion ist Ahimsa (Gewaltlosigkeit) eines der wichtigsten Prinzipien. Ahimsa ist auch Teil des achtgliedrigen Yogaweges und führt bei manchen Praktizierenden dieser Religion zu einer asketischen, veganen Lebensweise und einem Leben, das von einer strengen Ethik geprägt ist.

Alpesh, mein Lehrer, versteht nicht wie Menschen Tiere essen können. Er hat nicht ohne Grund Köchinnen. In Non-Veg-Restaurants würde er keinen Fuß setzen. Seine Religion untersagt ihm sogar das Essen von Knollengemüse, da es ja die Pflanze töten würde. Wir kommen auf dieses Thema, als ich Paratha esse und er verzichtet. Dieses Fladenbrot ist mit Kartoffeln gefüllt und eine Knolle zu verspeisen ist für ihn tabu. Ich nehme die Gewalt gegen die Kartoffel in Kauf und lasse es mir schmecken. Ein Asket ist Alpesh aber sicher nicht. Unsere gemeinsamen Mahlzeiten auf dem Wohnzimmerboden erinnern mich ein bisschen an die Zeit in China, als es zum guten Ton gehörte lautstark zu schmatzen, während man sich das Essen reingeschlungen hat.

Zwei Monate im Jahr hat Alpesh frei und dann fährt er mit seiner Familie auf Wallfahrt zu Tempeln im ganzen Land. In Tempeln stimmt die Energie, schwärmt er immer wieder. Enthusiastisch zeigt er mir zahlreiche mit indischer Musik unterlegte Videoaufnahme aus Tempeln, die er veröffentlicht hat. Seine Familie folgt dem Weg des Bhakti Yoga. Dies ist das Yoga der Hingabe und Liebe zu Gott oder dem Göttlichen.

Alpesh ist ein in die Jahre gekommens Kind, der sich über seine eigenen Witze am aller meisten freut. Er hat ein gutes Herz, ist authentisch und direkt. Sein Unterricht ist unprätentiös und ohne Schnörkel, aber fundiert und sehr effektiv. Es hat ein paar Tage gebraucht, bis sich unser Verhältnis zurechtgeruckelt hat, weil ich sein Englisch auch echt schlecht verstehen konnte. Mittlerweile hab ich mich reingehört und es ist ungezwungen und angenehm zwischen uns. Alpesh ist es wichtig, dass seine Schüler: innen eine gute Zeit haben.

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