Pratyahara – withdrawel of the senses

Es führen viele Wege nach Rom, genauso wie im Yoga viele Wege in Richtung Erleuchtung führen. Der achtgliedringe Yogaweg nach Patanjali, über den ich in Blogbeiträgen früherer Reisen schon gesprochen habe, ist ein Wegweiser, wie man diesen yogischen Weg gestalten könnte (oder sollte). Asanas werden oft fälschlicherweise für die Essenz von Yoga gehalten, dabei ist es nur eine Vorbereitung des Körpers auf das stille Sitzen in Meditation.

Alpesh, seines Zeichens Iyengar Yoga Lehrer, setzt diese Vorbereitung mit ruppiger Strenge um. Mit Hilfsmitteln wie Holzblöcken, Gurten, Bolstern (oder Stühlen) fixiert er uns in anspruchsvollen Posen, in denen jeder Muskel beansprucht scheint. Mit voller Spannung werden die Posen gefühlt ewig gehalten, um jeden Zentimeter des Körpers auszurichten. Ich befand mich nicht nur einmal im inneren Zwiegespräch mit meinen Kniescheiben, die nicht an die Stelle wollten, denen ich ihnen zuweisen wollte. Ich entdecke hier viele Stellen meines Körpers, die ich nur unzureichend ansteuern kann. Dementsprechend ist auch noch mein Sitzen in Stille ausbaufähig. Aber wenn ich nun sitze, um in die Meditation zu finden, ist der nächste Schritt der Rückzug der Sinne. Hört sich leicht an das Bewusstsein vom Außen abzuziehen und ins Innere zu lenken. Doch dies ist es nicht, denn Indien wirft permanent Sinneseindrücke auf dich wie Steine im Glashaus.

Stell dir vor du sitz mit den besten Absichten,gekreuzten Beinen und geschlossenen Augen da und unten auf der Straße brüllen sich zwei Männer an, die sich offensichtlich um Geld streiten und handgreiflich werden. Plums – ein Affe springt auf das Metalldach über dir. Plums – er hat einen Freund dabei. Der altersschwache Ventilator über deinem Kopf schickt wummernd Wellen schwüler Tropenluft, die sich über deine nackte Haut ergießen. Im Erdgeschoß wird gekocht und vor deinem Inneren Auge entstehen Bilder von Köstlichkeiten. Dieser Wohlgerucht mischt sich mit den Schwaden der Räucherstäbchen, die die Moskitos auf Abstand halten sollen. Man scheint nur aus Sinnesorganen zu bestehen, die ihre Fühler in diese kunterbunte Welt hinausstrecken. Ungern wendet man sich von der mannigfaltigen Welt der Illusionen ab, denn sie ist spannend und verheißungsvoll. Aber ich bin hier um es immer wieder zu versuchen. Gedanken, Bilder und Sinneseindrücke kommen und dann hilft mir mein Mantra „es ist wie es ist“ alles loszulassen und zu üben, üben, üben. Nicht um die Erleuchtung anzustreben, sondern um von der Wirkung von Yoga zu profitieren, denn Yoga ist Medizin.

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