In der Luft liegt der süße Duft der Cashewblüte und die Natur protzt mit ihrer grünen Pracht. Ich schmelze in einen Sitzsack in einem durchgestylten Restaurant im lässigem Hippychick. Der Sitar-Ambient-Groove wird über das laue Lüftchen zu mir unter das Palmwedeldach getragen. Wir sind nur zu viert in dieser Oase des Friedens, die auch in Ubud sein könnte. Es ist herrlich hier im Lost Monky und lädt zum Verweilen ein. Lost fühle ich mich hier nicht im geringsten, eher in Arambol angekommen. Ich trinke ausgezeichneten Siebträger-Cappuccino und schaue Streifenhörnchen zu, wie sie duch die Bäume klettern. Dieses für Yogis weichgespühlte Indien chillt mich enorm und ist genau der Ausgleich, den ich zu meinen abendteuerlichen Vormittag jetzt brauche.

Immer wenn ich neu in einem Ort bin geh ich erst Mal mit Hilfe von Komoot wandern, um mich zurecht zu finden. Den vorgeschlagenen Weg entlang einer Straße konnte ich wegen des penetranten Benzingeruchs gepaart mit einem Hauch von Müllfeuer nicht lang folgen und bin in die Markgassen abgebogen.




Auch wenn man eigentlich Nichts braucht, ist man schnell überzeugt, dass man noch Räucherwerk, Edelsteine, Ledertaschen und Goa-Klamotten kaufen sollte. Der Aufdringlichkeitsfaktor der Händler ist für indische Verhältnisse entspannt und nur selten wird gebettelt. Ich folge der Küstenlinie und passiere unzähligen an den Klippen hängenden Restaurants, von denen man mit Sicherheit ganz wunderbar den Sonnenuntergang beobachten kann. Über Klippen klettere ich zur nächsten Bucht, an der nur eine Handvoll indischer Touristen den Süßwassersee besucht haben.








Ich passiere russische Nudisten-Hippis am Ende des Strandes und klettere einen Felsen hoch, als ich merke, dass ich verfolgt werden. Ich will ihn passieren lassen, um auszuschließen, dass er mir folgt und er zischt mir WANNA HAVE SEX zu. Na großartig. Mit ihm im Schlepptau will ich nun wirklich nicht dem einsamen Single Trail weiter wandern, der vor mir liegt. Ich drehe um. Da er gerade die indische Palme schüttelt, kann er mir nicht folgen. Den Vorsprung nutze ich, um mich hurtig aus dem Staub zu machen. Hinter dem Sweetwater lake führt ein Trampelpfad im Halbkreis durch den Jungle. Ich bin nach der Erfahrung mit dem Typen mit runtergelassenen Hosen unschlüssig, ob ich da nun entlangwandern soll, oder lieber nicht. Ich Frage einen Strandliegen-Inder, ob der Weg sicher sei. Er ermutigt mich weiterzuwandern. Der Weg ist friedlich und führt entlang eines den See speisenden Flußes.






Exotische Vögel leisten mir Gesellschaft. Ich drehe mich immer wieder um, aber mich nervt meine Paranoia. Ich kreuze mehrmals das Flußbett und passiere Zelte von Indern oder Yogis, die hier kampieren. Als ich indische Touristen höre, lege ich einen Zahn zu. Das GPS Signal ist mäßig genau und es ist herausfordernd dem Trampelpfad zu folgen. Da ich mit meinem verletzten Fuß keine Sneaker tragen kann, bin ich in Birkenstocks unterwegs. Nicht das richtige Schuhwerk für diesen rutschigen und steilen Trail. Mein Dutt hängt in unzähligen Ästen und ich mache Umwege um Spinnennester auf dem Boden. Dass ich von Natur aus keine graziele Person bin, kommt mir heute zu Gute. Schweren Schrittes stapfen ich durch Gräser, um Schlangen die Chance zu geben sich zu verdünnisieren. In meinem Kopf erklingt im Takt der Schritte GO-A-WAY. Das scheint gut zu klappen, denn weder liebestolle Inder, noch Kobras kreuzen meinen weiteren Weg. Ich bin froh, als ich über den roten Sand wieder den Berg runtergeschliddert und wieder in der Zivilisation angekommen bin.


Ich lerne am Nachmittag Alpesh von meiner Yogaschule kennen und wir fahren zum Arzt wegen meinem Fuß. Der Mediziner droht erst mit Operation, aber ich komme mit punktieren und Antibiotika davon. Ich werde zum gemeinsamen Abendessen eingeladen mit den Absolventen des 200 Stunden Teacher Trainings, die morgen fertig sind, wenn meine Fortbildung beginnt.
