Nach einer dreigeteilten Reise über Frankfurt und Mumbai erreiche ich mein Ziel – Goa. Die Ankunft gestaltet sich unkompliziert, da Geld wechseln und ein Prepaid-Taxi buchen ohne große Bedrängnis von statten gehen konnte. Der schweigsame Fahrer steuert uns durch zähflüssigen Verkehr, der sich über drei Autokollonnen auf zwei Fahrspuren erstreckt. Im Takt von Sirenen und hupenden Autos werde ich mit müder Gelassenheit Zeugin von den üblich waghalsigen Überholmanövern. Indien ist wie unser monky mind, immer ein bisschen drüber. Über die runtergekurbelten Fenster strömt staubig warme „Frischluft“ in das in die Jahre gekommenen Taxi. Überall drängt sich farbenfrohe Weihnachtsdeko ins Sichtfeld und auf Postern prangen die Gesichter von Geschäftsleuten, die einem ein gutes neues Jahr voller Wohlstand wünschen möchten.
Der Fahrer verfügt über keine Hilfsmittel, um unser Ziel Baga zu finden und fragt sich ungeduldig durch. Ich entlohne ihn mit einem Trinkgeld für seine strapazierten Nerven. Ich bin glücklich im Little India Beach Cottage angekommen zu sein und freue mich über meine Hütte im Palmenwald. Es ist blitzesauber und ohne achtbeinige Mitbewohner ein absolut komfortabler Genuß. Die Veranda lädt zum Verweilen ein und Kaffee schlürfend beobachte ich einen Singvogel, wie er ein, an einem Palmwedel hängendes, Nest baut. Sein Gesang ist schöner als derjenige der Nachtigall und sein Federkleid schillert in irisierenden Grüntönen und gelben Partien. Ich lausche den Wellen und meine Enttäuschung keine direkte Strandlage zu haben nahm sehr schnell ab, als ich den Trubel dort live erlebte.






In indischer Manier ist der Strand gut gefüllt mit indischen Familien und Freunden, Kühen und Hunden. Der Tourismus hat den Vorteil, dass der Strand zum größten Teil sogar sauber ist. Viele Inder machen hier Urlaub über den Jahreswechsel. Da Inder Partnerlook und das Reisen in großen Gruppen feiern, bieten sich dort lustige Anblicke. Entweder ist es das touristische Goa oder dem Wandel der Zeit geschuldet, dass ich keine Männer mehr im Longi sehe. Der traditionelle Rock wurde durch westliche Alternativen ersetzt und manche Inderin zeigt selbstbewusst Bein in Hosen oder Kleidern. Meinem Strandtag im Bikini steht hier nichts im Wege. Als ich vor 20 Jahren in Tamil Nadu war, musste ich noch in voller Montur baden gehen, um niemand vor den Kopf zu stoßen. Hier ist Indien alles andere als traditionell.











Dicke Russen trinken Schnaps am Strand und präsentieren ihre opulenten Bierbäuche. Muttis rauchen Haschpfeifen. Die Beach Shacks konkurrieren mit lauter Musik, um neue Kunden und Kundinnen. Die Kreissägen rumoren im Hintergrund, wo sechsstöckige Hotels für diese Art Leute entstehen. Ich hätte Goa gerne vor den Touristenströmen gesehen, als ein Fruchtshake noch keine 3,80 Euro gekostet hat. Mir ist es jedoch Recht hier weniger exotisch zu sein, da ich gerne unbehelligt umherwandle und nicht auf jedem Erinnerungsfoto gebannt sein will. Zwei Mal posieren auf einem Spaziergang ist noch in einem akzeptablen Rahmen. Das Wasser ist frisch und die Speisekarten, die allesammt Haifisch anbieten, lasssen vermuten mit wem man die kühlen Fluten teilen muss. Es gibt Fischerboote und Wassersport an diesem enflosen Sandstrand mit jede Menge gefährlichen Strömungen.
Freitag Abend mit dem Sonnenuntergang beginnen die Bässe dermaßen zu wummern, dass ich mich in meiner Hütte wie auf einem Festival fühle. Ich habe nach einer durchgemachten Reisenacht aber alles andere als Lust auf Feiern. Mit einer übrigen Schlaftablette von der Reise verblassen die Geräusche bald und ich gleite ins Schlummerland und erwache Samstag in friedlicher Ruhe. Der Morgen ist geruhsam, da die Westlerlebern erst Mal die ganzen Kingfisher Biere verkraften müssen, die gestern in ihre Eingeweide geflossen sind. Ich mache unbehelligt Yoga am Strand und in einer Vorwärtbeuge schmeißt sich eine Hündin auf meine Decke und lässt sich ausgiebig den Bauch kraulen. Ach wie habe ich Yoga am Strand vermisst. Die Temperatur ist perfekt. Warm aber nicht zu heiß und mit einer frischen Meeresbrise. Ich atme Frieden in meinen Körper ein und atme Vorfreude auf den Tag aus.

